Korseby Online - Geocalycaceae

Geocalycaceae

Die meisten Arten der Erdkelchmoose kommen auf der Südhalbkugel vor. Einige Vertreter gibt es jedoch auch auf der Nordhemisphäre.

Lophocolea bidentata (Zweizähniges Kammkelchmoos)

lophocolea bidentata
Lophocolea bidentata
Das Zweizähnige Kammkelchmoos Lophocolea bidentata ist ein austrocknungstolerantes (poikilohydrisches) beblättertes Lebermoos und stellt eines der häufigsten Lebermoose Mitteleuropas dar. Oft wird es von Gärtnern als Rasenunkraut gefürchtet, da es gerne zwischen Gräsern in Rasen wächst. Es handelt sich jedoch um ein vollkommen unschädliches Moos.

Vorkommen
Das Lebermoos wächst bevorzugt an feuchten Standorten auf Erde zwischen anderen Laubmoosen und Gräsern. Häufig ist es auch auf morschem Holz anzutreffen. Es besiedelt auch nährstoffreiche und gestörte Plätze und kommt von der Ebene bis in die Bergstufe in den borealen Klimazonen der Nord- und Südhemisphäre (zirkumboreal) vor. Ein weiteres disjunktes Vorkommen gibt es im tropischen Afrika.

Merkmale
Das Zweizähnige Kammkelchmoos wächst dem Substrat angedrückt und bildet gelblich- bis weißlich-grüne, durchscheinende Pflänzchen aus, die bis 3 cm lang und 3 mm breit werden können. Sie sind nur wenig verzweigt und weisen auf der Unterseide wenige Rhizoide auf. Im frischen Zustand verströmen die Pflänzchen beim Zerreiben einen auffälligen Geruch. Die unterschächtigen, verzweigten Flankenblätter sind fast längs ausgewachsen und auf etwa einem Viertel der Blattlänge in zwei lang zugespitzte, dreieckige Lappen geteilt. Die kleinen Unterblätter sind tief zweispaltig und besitzen an den Außenrändern einen Zahn. Die Bildung von Sporogonen erfolgt selten, da die Pflanzen normalerweise getrenntgeschlechtig wachsen. Das eiförmige Perianth ist weit herab dreikantig. Die glatten Sporen sind im Durchmesser nicht größer als 18 µm.

lophocolea bidentata flankenblatt
Lophocolea bidentata
Flankenblatt (250x)
lophocolea bidentata unterblatt
Lophocolea bidentata
Unterblatt (250x)
lophocolea bidentata sporen elateren
Lophocolea bidentata
Sporen mit Elateren

Lophocolea heterophylla (Verschiedenblättriges Kammkelchmoos)

lophocolea heterophylla
Lophocolea heterophylla
lophocolea heterophylla unterblatt
Lophocolea heterophylla
Unterblatt
Das Verschiedenblättrige Kammkelchmoos Lophocolea heterophylla ist ein beblättertes Lebermoos aus der Familie der Geocalycaceae.

Erkennungsmerkmale
Die Pflanzen sind meist gelblich hellgrün gefärbt und wachsen häufig in ausgedehnten flachen Überzügen. Die Sprosse werden bis 3 cm lang und 2 mm breit und sind häufig reichlich verzweigt. Das Moos ist auch makroskopisch besonders einfach erkennbar, da die Flankenblätter im unteren Teil bis 1/3 in 2 dreieckige Lappen geteilt sind und im oberen Teil dagegen komplett abgerundet sind. Die Laminazellen werden etwa 20-30 µm breit und 30 bis 40 µm lang. Die großen Unterblätter sind etwa bis zur Hälfte in 2 lanzettliche Lappen geteilt. Es werden auch Brutkörper in den Blattspitzen gebildet, die jedoch nur selten vorkommen. Die Sporenreife ist im Frühjahr.

Vorkommen
Das Lebermoos bevorzugt kalkarme, mäßig saure bis neutrale, feuchte, halbschattige Standorte. Es besiedelt morsches, frisches Nadel- oder Laubholz, ist aber auch an Baumbasen, auf abgestorbenen Pflanzenresten, Rohhumus und Felsen zu finden. Das eher konkurrenzschwaches Pioniermoos kommt besonders an gestörten Standorten vor und wächst gerne mit Tetraphis pellucida zusammen.

Lophocolea minor (Kleines Kammkelchmoos)

lophocolea minor
Lophocolea minor
lophocolea minor habitus
Lophocolea minor
Habitus (40x)
lophocolea minor flankenblatt
Lophocolea minor
Flankenblatt (125x)
Lophocolea minor unterscheidet sich von den anderen Lophocolea-Arten durch die Form der zweizeiligen Flankenblätter, die zum Sprossende fast abgerundet rechteckig oder kurz zweilappig stumpf gespitzt sind und an deren Rändern im oberen Teil sich viele Brutkörper befinden.
Lophocolea minor ist in den kühl-gemäßigten Regionen der Nord-Hemisphäre verbreitet und bevorzugt lichte bis halbschattige, frische bis trockene, basen- und kalkreiche Standorte auf sandig-lehmiger bis toniger oder humoser Erde in Wäldern, auf Wiesen, in Trockenrasen, in Böschungen, an Rändern von Hohlwegen, in lehmigen Gruben und seltener auf Mauern oder morschem Holz in der Nähe von Auen. Typische Begleitmoose sind Campylium chrysophyllum, Eurhynchium hians, Fissidens taxifolius oder Weissia controversa. Es wächst gerne eingesprengt zwischen anderen Moosen. Oft wird es auch wegen seiner Größe übersehen.

lophocolea minor brutkoerper
Lophocolea minor
Brutkörper (250x)
lophocolea minor unterblatt
Lophocolea minor
Unterblatt (125x)
lophocolea minor flankenblattzellen
Lophocolea minor
Flankenblattzellen (400x)

Chiloscyphus pallescens (Bleiches Lippenbechermoos)

chiloscyphus pallescens
Chiloscyphus pallescens
Chiloscyphus pallescens, das Bleiche Lippenbechermoos, ist ein niederliegendes Lebermoos. Eine Sporenreife erfolgt meist im Frühjahr. Diese erfolgt jedoch recht selten. Durch die Zerstörung von Feuchtbiotopen geht die Art derzeit leicht zurück.

Erkennungsmerkmale
Chiloscyphus pallescens bildet blasse gelblichgrüne bis bräunlichgrüne durchsichtige Rasen oder wächst eingesprengt vereinzelt zwischen anderen Moosen. Einzelne Pflanzen werden bis 8 cm lang und etwa 3 mm breit. Die etwas schief gestellten, herablaufenden Flankenblätter sind mehr oder minder rechteckig, um die Hälfte länger als breit und sind an der Spitze häufiger auch etwas ausgerandet. Die schwach verdickten Zellen der Flankenblätter werden in der Blattmitte etwa 40 bis 70 µm lang und 30 bis 45 µm breit. Sie enthalten 1 bis 15 Ölkörper pro Zelle. Die Unterblätter sind charakteristisch tief in 2 lange, dünne Lappen gespalten und sind meist etwas zurückgekrümmt. Verwechslungsgefahr besteht mit anderen beblätterten Lebermoosen wie z.B. Lophocolea heterophylla, Plagiochila porelloides, Pedinophyllum interruptum oder Jungermannia leiantha, die jedoch allesamt nicht so tief gespaltene Unterblätter aufweisen. Chiloscyphus polyanthos unterscheidet sich durch die dunkelgrüne, nicht durchsichtige Färbung und der kleineren Flankenblattzellen.

Vorkommen
Chiloscyphus pallescens besiedelt frische bis nasse, kalkreiche, basenreiche bis neutrale, schattige bis lichtreiche Standorte. Es wächst auf lehmiger, toniger, sandiger oder humusreicher Erde in Niedermooren, auf Feuchtwiesen, aber auch an Wegrändern, in Gräben, auf morschem Holz, auf überrieseltem Gestein, in Quellfluren und an Rändern von Gewässern. Das Lebermoos ist häufig mit Bryum pseudotriquetrum, Calliergonella cuspidata, Plagiochila porelloides, Plagiomnium undulatum oder Rhizomnium punctatum vergesellschaftet. Es ist in ganz Europa bis nach Island und dem westlichen Russalnd weit verbreitet. In Teilen Asiens, Nord-Afrikas und Nord-Amerikas ist es auch zu finden.

chiloscyphus pallescens habitus
Chiloscyphus pallescens
Thallushabitus (40x)
chiloscyphus pallescens unterblatt
Chiloscyphus pallescens
Unterblatt (125x)
chiloscyphus pallescens zellen
Chiloscyphus pallescens
Zellen (250x)

Chiloscyphus polyanthos (Vielblütiges Lippenbechermoos)

chiloscyphus polyanthos
Chiloscyphus polyanthos
Chiloscyphus polyanthos unterscheidet sich von Chiloscyphus pallescens durch die eher kräftig grüne bis dunkelgrüne Farbe. Die Zellen im mittleren Teil des Blattes sind etwa 25 bis 40 µm groß. Pro Zelle gibt es nur 1 bis 5 Ölkörper. Die Lappen der Perianthmündung sind höchstens schwach gezähnt. Die Kalyptra ragt aus dem Perianth heraus. Das Moos wächst an feuchten, teils überrieselten, mäßig lichtreichen bis halbschattigen, kalkarmen, neutralen bis schwachsauren Standorten entlang von Bächen, an Quellen, die auch zeitweise austrocknen können. Auch freiliegende Wurzeln, morsches Holz, Torf, Sand oder Steine werden besiedelt. Das Moos meidet nährstoffreichere Stellen und reagiert empfindlich auf Wasserverschmutzung. Typische Begleitmoose sind Brachythecium rivularem Dichodontium pellucidum, Fontinalis squamosa, Rhynchostegium riparoides, Scapania undulata oder Schistidium rivulare.

Eremonotus myriocarpus (Zwerg-Zwergspitzmoos)

eremonotus myriocarpus habitus
Eremonotus myriocarpus